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Mal wieder Fragen zur AFF-Ausbildung
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THEMA: Mal wieder Fragen zur AFF-Ausbildung

Mal wieder Fragen zur AFF-Ausbildung 1 Jahr, 2 Monate her #20204

  • Lolo
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Hallo liebe Skydiver,

hier ist erneut ein Neuling der mit diesem fantastischem Sport im Juni beginnt Ich kanns nicht mehr erwarten und zähle bereits die Tage ...

Kurz zu mir:

Ich bin 24 Jahre alt und seit meinem ca 12. Lebensjahr habe ich den Traum Fallschirmspringer zu werden. Nun konnte ich aus finanziellen punkten mir endlich den Traum erfüllen und darf ab 06.06.2017 meine AFF-Ausbildung bei den Colibris in Thalmässing beginnen.

Da mich dieser Sport schon so lange fasziniert habe ich natürlich schon sämtliche Foren durchforstet und so ziemlich alles gelesen.

Nun habe ich doch noch zwei Fragen zu meiner persönlichen Ausbildung.

Ich habe mir für meine Ausbildung 3 Wochen Urlaub genommen. Sprich von 06.06. - 25.06.2017. Auf meine DZ herrscht Sprungbetrieb von Di-So bzw. in letzten beiden Wochen von Do-So. Nun zu den Fragen:

Wie lange benötige ich ca. bis zum Erhalt meiner Lizenz? Hintergrund zu dieser Frage:

Ich bin keiner der das ganze auf die leichte Schulter nimmt und sagt Hauptsache schnell die Lizenz der Rest ist mir egal. Es geht mir eher darum dass ich in der Zeit bis zur Lizenz mich hauptsächlich darauf konzentrieren möchte und deshalb die Frage wie viel Zeit ich einplanen muss.

Dass das ganze natürlich auch vom Wetter abhängig ist mir auch klar aber wir gehen jetzt einfach mal aus es ist durchgehend schön (ist es vermutlich nicht aber ich kann es dann einschätzen ) damit ich mir dass besser vorstellen kann.

Die zweite Frage ist wie viel Sprünge man eigl. an einem Tag machen kann bzw. machen sollte? Nehmen wir an es ist strahlend Blauer Himmel und der erste Jump ist um 9 Uhr in der Früh möglich (Solostatus). Kann ich dann theoretisch 8 Sprünge machen z.b.?

Ich bitte um Verzeihung wenn die ein oder andere dumme Frage dabei ist. Da ich leider noch keinerlei Erfahrung in dem Sport habe (bis auf einen AFF-Schnupperkurs) interessieren mich diese beiden Fragen gerade brennend.

Danke für eure Einschätzungen!

Gruß Lolo

Aw: Mal wieder Fragen zur AFF-Ausbildung 1 Jahr, 2 Monate her #20206

Hi Lolo,

da es bei mir mit dem AFF-Kurs noch net solange her ist, würde ich sagen, dass es v.a. von diesen Faktoren abhängt, wieviele Sprünge pro Tag möglich sind:

(Folgende Aufzählung ist weder der Wichtigkeit nach geordnet noch stellt sie eine Expertenmeinung dar. Sie gibt lediglich meine eigenen Erfahrungsberichte aus der AFF-Ausbildung wieder.)


a) Wie oft wird Dir ein Platz im Flieger zugestanden? (Pilatus Porter PC-6 hört sich von der Kapazität grundsätzlich gut an.)
b) Wie schnell packst Du deinen Schirm?
c) Wie oft sind Lehrer am Platz? (Braucht man auch im Solostatus noch!)
d) Wie oft ist das Wetter so, dass Dir ein Sprung erlaubt wird?
e) Wie ist dein Fitnesszustand?
f) Musst Du dir dein System mit anderen Schülern teilen?

Angenommen, Du erreichst den Solostatus nach der Mindestzahl der AFF-Sprünge (bestehst also jedes Level auf Anhieb.)

Dann zu den Punkten:

a) Kann ich wenig zu sagen, weil ich Skydive Colibri nicht kenne. Aber rechne damit, dass andere auch springen wollen und dass Tandems auch eine sehr hohe, wenn nicht die höchste Priorität haben. (Schließlich sind die es, die den Sport in der Regel in der Breite am Laufen halten.) Du wirst also u.U. nicht in jeden Load kommen, den Du anpeilst.

b) Ich habe am Anfang zum Packen ewig gebraucht (teilweise weit über 1h, wenn ich was korrigieren musste - zugegebenermaßen extrem lange ). Aber ich schätze, Du wirst am Anfang auch mind. ca. 30 bis 45 Minuten brauchen, dann rechne noch erneutes Manifestieren/Anziehen dazu und schon hast Du mind. 1h Pause zwischen den Sprüngen. Außerdem brauchst Du einen Lehrer, der dich beim Packen beaufsichtigt und einige Schritte kontrolliert. Bei mir und manchen anderen war das Packen der hauptsächliche limitierende Faktor für die Sprunganzahl am Anfang. (Wenn Du Profi bist, packst Du den Schirm in 5 Minuten - aber das will geübt sein...)

[Packen lassen war uns als Schüler nicht erlaubt und ich halte es selbst auch nicht für sinnvoll. Außerdem war/ist es mir ohne Sponsor auf Dauer zu teuer ;) ]

c) Lehrer brauchst Du auch im Solostatus für Sprungaufträge, Checks vor dem Einsteigen und fürs Packen. Wieviele Lehrer da bei Sykdive Colibri verfügbar sind, musst Du dann eben sehen.

d) Blauer Himmel heißt nicht, dass Du als Schüler sicher springen kannst. Es kann Tage geben, da ist viel Wind und Du darfst als Schüler nicht in die Luft, während die anderen fröhlich aus dem Flieger hüpfen. In der Regel sind die eher selten, aber kann vorkommen.

e) 8 Sprünge am Tag halte ich für einen Anfänger für ein sportliches Vorhaben. 8 mal auf 3500m oder mehr und mit 180 km/h wieder runter ist eine Belastung, die man nicht alle Tage hat. Am Ende wird das sicher davon abhängen, ob Du sonst sehr fit bist, Dir z.B. Hitze nichts ausmacht usw.

f) Wenn Du dir dein System mit anderen Schülern teilen musst, hast Du natürlich weniger Sprünge. Das kann auch am Fortkommen hindern, aber so ist es eben, wenn man kein eigenes System besitzt.


Mein Vorschlag wäre: Sprich mit den Leuten vor Ort über deine Ambitionen und deine zeitlichen Limits. Nach den ersten AFF-Sprüngen könnt Ihr sicher gemeinsam entscheiden, ob es realistisch ist und wie es am besten umzusetzen ist. Ich denke, Lizenz in 3 Vollgas-Wochen wäre schon möglich, wenn es dein Können, das Wetter und die Personalsitutation hergeben. Bloß fest damit rechnen würde ich nicht.

Vergiss nicht, dass Du im weiteren Verlauf der Ausbildung noch einen erfahrenen RW-Springer für die RW-Einweisungssprünge brauchst. Und die ersten Solosprünge kann man auch dazu nutzen, die Salti und Fassrollen zu üben. Dazu kann man sich z.B. selbst einen Plan über den Sprungablauf machen und ihn dann dem Lehrer vorschlagen und ggf. modfizieren.

Viel Spaß beim AFF-Kurs!
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Aw: Mal wieder Fragen zur AFF-Ausbildung 1 Jahr, 2 Monate her #20207

  • Panthim
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Als Schüler 3 Sprünge/Tag, vielleicht auch mal 4 (mehr macht auch keinen Sinn)
have a nice day.
jörgen - Member of the "Beef" / MB 5126 / SRA 5425
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Aw: Mal wieder Fragen zur AFF-Ausbildung 1 Jahr, 2 Monate her #20208

  • Ralph
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Wie vorher schon von anderen geschrieben gibt es hier viele Faktoren die eine Rolle spielen.

Das Wetter ist in Deutschland mit der grösste Risikofaktor und sorgt mit dafür das eine Sprungausbildung normalerweise eher mehrere Monate dauert.

Je nach DZ müssen Schüler packen lassen oder auch nicht. Selber packen kostet hier extrem viel Zeit und ist meiner Meinung nach zumindest für die erste Hälfte der Lizenz eher nicht sinnvoll, da sich die Schüler erst mal komplett auf die reinen Sprünge konzentrieren sollten.

Theoretisch kann man die komplette Lizenz in einer Woche machen. Habe ich selbst so in Florida gemacht. Dort hat man aber neben dem Wettervorteil auch grössere und professionellere DZs. Hier in Deutschland ist es ja meistens so, das die Ausbilder meistens auch Tandemmaster sind und zwischen diesen Funktionen pendeln.

Was die Anzahl der Sprünge pro Tag angeht, kannst du davon ausgehen, das du diese, bei einer Blockausbildung wie von dir geplant, ab dem Solostatus normalerweise problemlos bis auf am Ende 5-6 steigern kannst, wenn halbwegs fit bist und nicht packen musst.

Was ich dir nur empfehlen kann:
Sprich mit den Leuten von Colibri, denn abgesehen vom Wetter und deinen Fähigkeiten können die dir alle Fragen darüber wie die Ausbildung bei ihnen abläuft und was es für Erfahrungswerte gibt, beantworten und müssen nicht wie wir anderen vermuten.

Colibri ist definitiv eine gute DZ mit super netten Leuten!

Auf alle Fälle viel Spass bei der Ausbildung und viel Glück mit dem Wetter!!!
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Aw: Mal wieder Fragen zur AFF-Ausbildung 1 Jahr, 2 Monate her #20215

  • Yoschi
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Also oben ist alles bereits genannt worden, mein Tipp setzt dir zwar Ziele, aber dich dabei nicht unter Druck!
8 Sprünge am Tag ist selbst nach ü. 200 Sprüngen eine amtliche Nummer bei der du fertig bist.
Man bedenke das die Konzentration auch immer weiter abnimmt.

Gerade am Anfang wirst du merken das mehr als 3 Sprünge keinen Sinn machen, da dein Adrenalin-Pegel auch immer auf einem Maximum ist.
Daraus resultiert die Konzentration lässt nach und man neigt dazu mehr Fehler zu machen.
Wenn du dann aufgrund falschen Ehrgeizes mehr sprünge machst, du dafür die Level aber wiederholen musst wird es teuer.

Die Saison ist noch Jung und du wirst oft genug raus kommen, sofern hinterher das Kleingeld passt.
Aber mach erst mal in ruhe deine Ausbildung und setzt dir da nicht zu hohe Ziele.

Mehr als 3-4 Sprünge würde ich für die ersten 10-15 Sprünge nicht anpeilen und sei dir der Gefahr immer bewusst und hör auf dein inneres wenn es darum geht ob noch genug reserven in extrem Situationen vohanden hast, kommen erste Zweifel auf, unten bleiben.

Wenn das Wetter passt und du "jeden Tag" springen kannst wirst du das auch nach einer Woche merken

Viel Spaß und gutes gelingen bei dem geilsten Sport auf Erden =)
Letzte Änderung: 1 Jahr, 2 Monate her von Yoschi.
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Aw: Mal wieder Fragen zur AFF-Ausbildung 1 Jahr, 2 Monate her #20222

  • Lolo
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Hallo Leute,

danke für die ausführlichen Antworten! Hat mir echt ein bisschen mehr Überblick über das ganze verschafft und meine groben Fragen geklärt!

Wie Ihr bereits auch schon erwähnt habt werde ich mal am Beginn mir die ganze Situation anschauen was dort wirklich los ist (Umfeld, wie viel Schirme wie viel Schüler etc. pp.) und natürlich mit den Lehrern drüber reden. Sind ja schließlich meine ersten Ansprechpartner!

Danke euch und vllt. sieht man sich ja mal in der Luft

Gruß Lolo

Aw: Mal wieder Fragen zur AFF-Ausbildung 1 Jahr, 2 Monate her #20224

Hi,

ich lerne zwar noch und bin sicherlich ein sehr kritischer (ich hatte Angst, bin als Folge abgestürzt, mein Fehler...) Schüler.

Aber mein Lehrer meint das so ein Sprung am Anfang ohne weiteres mit 8-10 Stunden Arbeit zu vergleichen ist, von der Belastung her.

In seiner ganzen Zeit als Springer und Sprunglehrer hätte er nur ein Schüler gehabt der 10 Sprünge am Tag geschafft hat, das wäre ein Mann wie ein Baum (nicht Bonsai!!) gewesen und hätte ein Gemüht wie ein Kaltblutferd gehabt. Springen wäre für ihn wie spazieren gehen.

Und normalerweise wären kaum mehr als 3, maximal 4 Sprünge sinnvoll, springen ist halt kein Hallensport, springen ist lebensgefährlich wenn man etwas falsch macht (wie ich auf die harte Tour erfahren habe).

Bist du ein Mann wie ein Baum und hast du das entsprechende Gemüht?

Gruß

Michael
Letzte Änderung: 1 Jahr, 2 Monate her von Ungarnfreund.
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Aw: Mal wieder Fragen zur AFF-Ausbildung 1 Jahr, 2 Monate her #20230

  • Lolo
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Hallo Ungarnfreund,

danke auch für deine Einschätzung.

Wie ich bereits erwähnt hatte habe ich mich schon längere Zeit auch hier im Forum mit sämtlichen Themen und Beiträgen beschäftigt. Deshalb habe ich auch dein Thema bereits ausführlich durchgelesen und muss sagen ich hoffe dass es so bei mir nicht läuft^

Wie gesagt da ich erst 1 Sprung habe kann ich nicht einschätzen was für eine Belastung das für den Körper tatsächlich ist deswegen habe ich einfach mal gefragt was möglich ist. 10 Sprünge wäre wohl schon zeitlich ein Problem (Level oder Solosprünge mit Lehrer durchsprechen, Schirm packen etc.).

Ich bin zumindest kein Baum aber sportlich zähl ich mich eher zu den überdurchschnittlichen was die Fitness angeht. Ich spiele Fußball in einer höheren Liga und bin allein dadurch schon min. 6 mal in der Woche auf dem Platz. Nebenbei gehe ich noch ins Fitness und laufe gerne Von daher sollte es an meiner Fitness nicht scheitern wobei ich auch hier vorsichtig bin mit dieser Aussage da ich wie gesagt noch nicht einschätzen kann was für eine Belastung auf den Körper wirkt...vermutlich eine ganz andere wie ich bisher gewohnt bin

Gruß Lolo

Aw: Mal wieder Fragen zur AFF-Ausbildung 1 Jahr, 2 Monate her #20231

  • Yoschi
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Hallo Lolo, die problematik liegt nicht in der "Körperlichen-Fitness" im Allgemeinen.

Du könntest der fitteste Mensch auf Erden sein, das würde dir natürlich einige "Vorteile" verschaffen, aber ich sehe eher das Problem in der psychischen Belastung.

Du wirst merken das der Körper vielleicht noch kann, aber dein Kopf und deine Konzentration einfach komplett im Keller sind. Bei den ersten Anzeichen solltest du def. den nächsten Sprung verschieben oder ausfallen lassen, mein Tipp hör auf dein inneres.

Es ist nun einmal nicht alltäglich aus einem Flugzeug zu springen. Und dein Kopf und Körper wird gerade in der ersten Zeit Adrenalin und Endorphine ohne ende ausschütten, das macht genauso schlapp und lässt deinen Kopf und Geist müde werden.

Es beginnt am Anfang ja schon im Flieger, wo sich alle anderen Springer entspannen, bist du zwischen 12-25 min extrem angespannt, konzentriert und fokusiert ggf. sogar davor wenn du weißt das es gleich los geht.

Dann die 60 Sekunden Freifall in denen dein Körper o.g. Endorphine und Adrenalin ausschüttet.
Dann die hohe Konentration bei der Schirmfahrt, in der du dir auch keine Fehler erlauben willst und kannst und auch noch einmal 100% konzentriert sein musst.

Das bedeutet volle Hohenkontrolle, Übersicht und Umsicht, Wind gegebenheiten ect. andere Springer im Blick haben, kontrolle des Lande T.
Es gibt soviel worauf man achten muss und gerade am anfang 100% bei der Sache sein sollte.

Sollte es dann zu "unvorhergesehenen" Dingen wie z.B. einer Außenlandung kommen und der Funk fällt aus, erhöht sich dein Stresslevel und du brauchst deine volle Konzentration.

Wenn du die Zeit dann zusammen auf 3 Sprünge am Tag rechnest, ist das doch schon ganz schön viel was du deinem Körper und deinem Geist da abverlangst oder? =)
Und da sind Nachbriefing und andere Dinge nicht mit eingerechnet bei denen du ja auch noch zuhören solltest und aufnahme bereits sein solltest,...

Es ist auch nicht jeder Tag gleich, und man hat mal einen guten oder schlechten Tag.
Manchmal ist sogar bei mir so das ich nach 5 sprüngen sage, ach für heute reicht es.
Das kann dann auch mal vorkommen, wenn man viel in der Luft arbeitet, oder 1-2 stressige Situationen hatte.

Ich möchte dir damit keine Angst machen, nur dir mein Empfinden und meine Erfahrungen weitergeben und dir damit sagen, das ein Sprung weniger bei dem man heile am Boden ankommt mehr Wert ist als ggf. ein anderer.

Vielleicht sehen das einige anders hier, aber ich sehe die Körperliche Belastung nicht als größte Belastung beim springen. Diese spielt dem ganzen natürlich auch noch hinzu, aber es ist nicht so immens wie die Psychische Belastung.

Gerade in den ersten 10-15 sprüngen wirst du das merken, jenachdem wie fit deine Psyche ist, und wie gut bzw. schnell sich diese an solche extrem Situationen gewöhnen kann.

Einige brauchen länger einige weniger.
Ich hoffe dir damit einen kleinen Eindruck zu vermitteln

Und viel spaß da oben....
Letzte Änderung: 1 Jahr, 2 Monate her von Yoschi.
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Aw: Mal wieder Fragen zur AFF-Ausbildung 1 Jahr, 2 Monate her #20232

Hallo,

das ist keine Frage der „Muskelarbeit“, das Problem liegt eher „zwischen den Ohren“.

Nach meinem Absturz habe ich mich lange mit meinem Lehrer unterhalten. Er meinte die dicken, fetten Schulschirme (240´er, 260´er) sind so langsam das normalerweise nichts Ernsthaftes passieren kann wenn man nicht gerade die Schirme so vergewaltigt wie ich bei meinem ersten Sprung.

Die körperliche Belastung beim Landen zum Beispiel wäre fast so wie wenn man vom Küchenstuhl springt – wenn man alles richtig und optimal macht.

Das Problem ist das du am Anfang beim Springen nichts, absolut nichts aus dem Bauch machen kannst, mangels Erfahrung, logisch. Laufen hast du als Baby gelernt, das funktioniert automatisch, ohne nachzudenken, selbst mit Alkohol. Aber springen? Fliegen? Und landen?

Dann bist du gewöhnt zweidimensional zu denken, plötzlich musst du dreidimensional denken. Du bist gewöhnt Entfernungen (horizontal!!) einzuschätzen und plötzlich musst du die Höhe einschätzen, das hast du nie geübt!

Richtig gesprungen bist du noch nie! Da hast du null Erfahrung. Jede Handlung musst du daher am Anfang komplett mit dem Verstand machen, nichts geht aus dem Bauch heraus. Und du weißt dass es keinen Pausen-Knopf gibt! Das dauert alles seine Zeit, du denkst dann langsam, dein Kopf fährt mit Überlasst und du muß die Eindrücke sortieren. Was ist wichtig, was unwichtig, wie musst du reagieren etc.

Dazu kommt das alle Erlebnisse und Erfahrung die du machst, bzw. was du lernst, durch den Verstand und dem (Bauch-)Gefühl müssen, also durch deinen Kopf. Das kostet Kraft und ganz wichtig – viel Zeit. Da muß man schon mal eine Nacht darüber schlafen damit man es verarbeitet. Wir sind vernunftbegabte Wesen und keine Maschinen, du lernst nicht a2+b2=c2, du musst lernen und es umsetzen in Bewegungen! Und das in ungewohnten Grenzsituationen!

Dazu kommen noch ungewohnte und ungewollte Dinge dazu. Eine Außenlandung auf der Kuhweide und du fliegst fast gegen ein Zaun und musst ausweichen/bremsen zum Beispiel. Also eine harte Landung. Oder der Funk fällt aus. Oder.. oder.. oder.. Das steckst du nicht so schnell weg, es ist eine geile Erfahrung das man mit solchen Situationen zurechtkommt, aber da zittern schon mal die Hände einige Zeit, die nächsten 2-3 Stunden springen ist dann kaum ratsam.

Auf YouTube sieht alles so einfach aus, raus hüpfen, fallen, ziehen, fliegen, landen…
In der Realität sieht es anders aus – bei mir jedenfalls, ich rede nicht von anderen.

Ich jedenfalls habe schon mehrfach meine Grenzen gespürt wo ich gesagt habe „Nö, jetzt springe ich nicht, besser ist!“ Es spielt sich halt verdammt dabei viel im Kopf ab – und deswegen liebe ich den Sport.

Aber versuch und berichte! Ich bin gespannt!

Gruß

Michael
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